Cumulus und Nimbostratus ... ist Cloud Computing die Zukunft?
Wenn man derzeit mit Branchen-Insidern über mittelfristige Trends in der
Postproduction spricht, dann wird es meistens recht rasch wolkig: die
»Cloud« gilt als das Modell der Zukunft. Der Begriff kommt aus dem
IT-Bereich und weist keine feste Definition auf — was ja gut zu Wolken,
Nebel und Dampf passt. Die meisten meinen aber damit, dass man
Rechenleistung und Speicherkapazität, ja sogar die verwendete Software,
gar nicht mehr selbst vorhält, sondern ganz nach Bedarf über Netzwerke
abruft und nutzt. Der Anfang dieses Trends war schon vor drei Jahren gut
erkennbar (siehe Editorial aus dem Juli 2007).
Ein branchennahes Beispiel für den aktuellen Stand ist Youtube: Man lädt
seine Filme hoch, ohne genau zu wissen, wo sie nun tatsächlich gespeichert
werden, man kann sie online bearbeiten und mit Metadaten versehen, Youtube
rendert automatisiert die verschiedenen Auflösungsstufen und stellt die
Daten beim Abspielen wieder für die Zuschauer bereit. Und tatsächlich gibt
es mittlerweile bei Youtube auch einen rudimentären, online nutzbaren
Video-Editor.
Die Idee für so etwas wie ein Profi-Youtube liegt da natürlich nahe — vor
allem für Anwendungen, bei denen viele geografisch verteilte Mitarbeiter
ein Team bilden. Ideen dafür, wie etwa Sender die »Cloud« nutzen könnten,
gab es etwa bei der IBC an verschiedenen Ständen zu sehen.
Quantel wählte mit QTube gleich ein passendes Wortspiel. Editshares
Forscene zielt ebenso in die Wolke, wie die Tatsache, dass dieser
Hersteller das NLE-Programm Lightworks als OpenSource-Projekt weiterführen
und zum kostenlosen Download anbieten will. Schon beim Kauf von MaxT im
vergangenen Jahr deutete auch Avid an, dass man mit deren Technologie
web-basiertes Editing entwickeln könne, sehr viel Konkreteres ist von
Avid seither allerdings nicht zu erfahren. Und wäre nicht auch Apple ein
Kandidat, der cloud-basierte Postproduction vom Stapel lassen könnte? Von
Firmen wie Signiant oder Aspera, die sich auf schnellen File-Transfer
spezialisiert haben, könnten in diesem Bereich ebenfalls wichtige Impulse
kommen.
Wie genau die Modelle aussehen können, Remote Production und
Cloud-Postproduction zu realisieren, ist noch weitgehend offen, bisher
schweben die Technologien noch in der oftmals auch sehr heißen Luft, die
dieses Thema umweht. Viele Fragen stellen sich, so etwa: Will der
professionelle Anwender seinen Content irgendwo in einem virtualisierten
Speicher ablegen, womöglich bei einem Dienstleister, der wie Youtube,
Facebook oder Google, jederzeit die Spielregeln ändern kann?
Vielleicht ist »Postproduction in the Cloud« aber auch tatsächlich das
nächste große Ding.
Quelle:
http://www.film-tv-video.de/newsletter.html?&sNL=364